Verbot von Werbung für Sportwetten: Bitte keine „sicheren Tipps“ mehr von Lothar Matthäus
„Aber ich habe im Millionenbereich gespielt, also allein vom Umsatz her.“ Zuständig für den Glücksspielstaatsvertrag sind die Länder.
Weiterführende Informationen
„Die Werbung schafft einen zusätzlichen Anreiz zum Spielen.“ Blienert wünscht sich „natürlich so wenig Werbung für Sportwetten wie möglich, am besten überhaupt keine.“ Es sei „eine ganz schlechte Entwicklung“, dass Werbung und Sponsoring im Profifußball in den letzten Jahren eine so dominante Rolle eingenommen haben. „Man fragt sich ja schon fast, was eigentlich im Vordergrund steht, der Sport oder das große Wettbusiness.“ Er fordert daher eine „vernünftige Werberegulierung für Sportwetten“. Konkret: ein Verbot der Fernseh-, Rundfunk- und Internetwerbung vor 21 Uhr, wie dies für Onlinecasinos der Fall ist. „Damit würde zumindest der Jugendschutz ein Stück weit gestärkt.“ Tobias Blümel war 16, als er das erste Mal getippt hat, offiziell erlaubt sind Sportwetten erst ab dem Erwachsenenalter. Wie viel er verloren hat, kann er nicht genau sagen. Die Innenministerkonferenz beschäftigte sich im Dezember mit Sportwetten-Werbung. Bremens Senator Mäurer wollte ein Verbot erwirken – scheiterte aber an der Position seiner Amtskollegen. Die aktuelle Rechtslage bezeichnet der SPD-Politiker als schlechten Kompromiss. „Die Regelungen gehen nicht weit genug, den Wettanbietern müssen deutlichere Grenzen gesetzt werden.“ Mäurer fordert daher ein „radikales Umdenken“.
- Fernsehwerbung in den Halbzeitpausen von Fußballübertragungen
- Betonung von Sicherheit und Seriosität durch Lizenzeinblendungen
- Werbung für "Sonderwetten" zu nicht-sportlichen Ereignissen
- Push-Benachrichtigungen der App zu Spielbeginn mit Quoten
„Wenn wir erst mal ein paar Millionen Spielsüchtige in Deutschland haben, ist es zu spät.“ Der sportpolitische Sprecher der CDU/CSU, Stephan Mayer, schlägt andere Töne an – und spricht von einem „langwierig verhandelten, fairen und guten Kompromiss“. Ähnlich argumentiert sein FDP-Amtskollege, Philipp Hartewig. Er bewertet den Glückspielstaatsvertrag als „sinnvollen Schritt in die richtige Richtung“.
- Einsatz von Hashtags wie #Tipico oder #Wettsieg in sozialen Medien
- Werbung für Sportwetten als unterhaltsame Begleitung zum Spiel
- Kampagnen, die auf den Gemeinschaftsaspekt ("Tipprunde") setzen
- Gezielte Ansprache von jungen, sportbegeisterten Erwachsenen
- Integrierte Wettmöglichkeiten in Livetickern von Sport-Apps
Der Jugendschutz müsse aber ebenso betrachtet werden, wie die Suchtprävention und die Eindämmung der Schwarzmarkt-Kriminalität.
Vertrauen durch Fußballgröße und TÜV-Zertifikat
Fansprecher Markus Sotirianos meint: „Fußball-Interessierte können sich der Werbung kaum noch entziehen.“ Ilona Füchtenschnieder vom Fachverband Glücksspielsucht spricht von „Werbeirrsinn“ und „Etikettenschwindel“, Professor Nicolas Klein von Transparency International von „verantwortungsloser Sportwetten-Werbung“. Es werde zu wenig auf die Gefahren des Wettens eingegangen. Die Experten unterstützen das auf Initiative von Fanorganisationen gegründete „Bündnis gegen Sportwetten-Werbung“. Es fordert die weitestgehende Einschränkung von Sportwetten-Werbung in Deutschland. Das IPPEN.MEDIA-Netzwerk ist einer der größten Online-Publisher Deutschlands.
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In Zeiten der Geisterspiele fanden sich Fans auf der Couch vor dem Fernseher wieder. Der Griff zum Handy nicht weit, der nächste Tipp nur wenige Klicks entfernt. „Insbesondere durch die Sponsoring-Ausfälle in Folge der Corona-Pandemie tauchte die Werbung für Sportwetten in den Stadien noch einmal verstärkt auf“, sagt Grünen-Politiker Philip Krämer. Der finanzielle Erfolg der Wettanbieter fußt auf den Verlusten der Kunden. Vor allem von denen der Vielspieler, die hohe Beträge setzen. Die FDP sieht die Debatte auch aus einer ökonomischen Perspektive. Ein Teil der Einnahmen aus Sportwetten müsse „weiterhin zur Förderung öffentlicher und steuerbegünstigter Zwecke verwendet werden.“ Würde man Glücksspiel-Werbung weiter regulieren, gingen dem Staat Steuereinnahmen der Wettanbieter verloren. „Sportwettenanbieter führen nach eigenen Angaben gemäß Rennwett- und Lotteriegesetz Sportwettsteuern in Deutschland ab“, erklärt Hartewig. 2021 seien das 470 Millionen Euro gewesen. Der Grünen-Politiker Krämer wiederum will die Werbung regulieren.
| Kennzahl (KPI) | Beschreibung | Messmethode | Zielwert (Beispiel) |
|---|---|---|---|
| Markenbekanntheit (Top-of-Mind) | Erster genannter Wettanbieter in Befragungen | Repräsentative Umfragen | Platz 1 in Deutschland |
| Neukundengewinnung (CAC) | Kosten für die Akquise eines neuen Kunden | Marketingkosten / neue registrierte Kunden | Unter 100 € pro Kunde |
| App-Downloads | Anzahl der Installationen der Tipico-App | Tracking über App Stores & Kampagnenlinks | Steigerung um 15% pro Quartal |
| Werbeerinnerung (Recall) | Prozentsatz, der sich an einen Spot erinnert | Post-Testing nach TV-Ausstrahlung | Über 60% aided Recall |
| Conversion Rate | Von Werbeklick zu registriertem Kunden | Online-Tracking über Cookies/User-IDs | Über 3% |
Er kritisiert die Fernsehclips am Rande von Fußballspielen als „oftmals sehr martialisch“ und „in höchstem Maße manipulativ“. Krämer ist Mitglied im Sportausschuss und sagte unserer Redaktion: „Die Zunahme der Werbung für Sportwetten ist höchst problematisch und sollte von der Politik regulierend angegangen werden.“ Er nimmt neben den Ländern auch die Vereine in die Pflicht und nennt die Selbstverpflichtung auf den Verzicht von Sportwetten-Werbung als denkbare Option. „Das wäre eine gute Lösung, weil die Vereine und Verbände ihrer gesellschaftlichen Verantwortung dadurch gerecht würden.“ Interessant ist der Blick in andere Länder, wo es beide Extreme gibt.
Sucht als Teil des Geschäftsmodells
Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind in Deutschland rund eine halbe Million Menschen glücksspielsüchtig. Wie viele davon auf den Sportwettenmarkt entfallen, ist nicht bekannt. Zumal Sportwetten als „Glücksspiele mit Kompetenzanteil“ gelten, also in der Theorie beeinflussbar sind. Aktuelle Studien gehen derweil von über eine Million Betroffenen aus, mit einer Vielzahl an Menschen mit riskantem Spielverhalten. Das „Bündnis gegen Sportwetten-Werbung“ schreibt: „Unter den Personen, die an Sportwetten teilnehmen, haben nur knapp 50 Prozent ein vollkommen unproblematisches Spielverhalten.“ Oft würden ganze Familien bet sportwetten tipps heute tennis ruiniert werden, sagt Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), ein Verfechter stärkerer Werberegulierungen.
🧩 Die Bonus Bedingungen
„Schätzungen gehen davon aus, dass pro glücksspielsüchtiger Person bis zu 15 Angehörige betroffen sind und von den Folgen der Spielsucht in Mitleidenschaft gezogen werden.“ Das weiß auch Fabian, der 14 Jahre lang wettsüchtig war und unserer Redaktion seine Geschichte erzählte. Dazu erklärt das „Bündnis gegen Sportwetten-Werbung“: Junge, männliche Mitglieder von Sportvereinen wetten deutlich häufiger und sind auch anfälliger, ein risikoreiches Verhalten zu entwickeln. (Dabei überschätzen sie jedoch ihre Kompetenz, wie Studien gezeigt haben). Für die Vereine der Fußball-Bundesliga sind Wettanbieter ein wichtiger – weil lukrativer – Werbepartner. Die meisten Klubs haben einen „offiziellen Sportwettenpartner“, wie gleich fünf Bundesligaklubs ihr Engagement mit Betway beschreiben.
🙂 Tipico Boni für Bestandskunden
Auch die deutsche Nationalmannschaft hat einen Werbedeal mit einem Wettanbieter abgeschlossen. Liga werden von bwin gesponsert, Tipico ist offizieller Partner der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und damit der 1. und 2. Der „Tipico-Countdown“ stimmt die Sky-Zuschauer auf die Spiele um 15.30 Uhr ein, ehe es um 18.30 Uhr zum „Tipico-Topspiel“ kommt. Zudem sah man vergangenes Jahr Sportikonen wie Oliver Kahn oder Lothar Matthäus für „Ihre Wette in sicheren Händen“ oder „den sicheren Tipp für euch“ werben. In Italien und Spanien gelten Werbeverbote für Sportwetten im Fernsehen.
⁉️ FAQs
Der Staat hat womöglich auch kein Interesse an strengeren Vorschriften, denn er verdient mit. Auf der Grundlage des Rennwett- und Lotteriegesetzes, das auch inländische Sportwetten erfasst, wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr 2,56 Milliarden Euro an Steuern eingenommen. Das sind etwa zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Gesamteinnahmen des Staates aus Steuern und Abgaben im Bereich Glücksspiel beziffert die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen für 2021 auf rund 5,2 Milliarden Euro. Der Staat sei in der Branche “ein gewichtiger Player”, sagt Hayer: “Es gilt also: It’s all about money – unter dem Strich geht es nur um die Kohle.” Alle Beiträge aus der Reihe “Das Beste aus epd Medien bei turi2” >>> Sie sind omnipräsent: Werbungen für „Ihre Wette in sicheren Händen“ oder den „sicheren Tipp für euch“.
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Der Aufruf zu Sportwetten wird bisher nur lasch reguliert. München – Tobias Blümel setzte mit 16 Jahren 2,50 Mark auf den Ausgang von drei Bundesligaspielen – und gewann 21 Mark. Es folgten 15 von Sportwetten bestimmte Jahre samt sozialem Absturz. „Die Wettsucht hat mich ins Gefängnis gebracht“, sagt der 37-Jährige, der wegen Beihilfe zum schweren Betrug und krimineller Beschaffung von Bargeld inhaftiert war. Heute leistet er Präventionsarbeit an Schulen und Sportvereinen, um auf die Gefahren des Sportwettens aufmerksam zu machen.
Aktive Spieler oder Funktionäre wie Oliver Kahn dürfen nicht mehr für die Wettanbieter werben
„Dadurch merke ich immer wieder aufs Neue, wie viel Macht die Sportwetten im Fußballbereich eingenommen haben.“ Eine Macht, die immer mehr Rendite abwirft – und kaum reguliert wird, wie Experten aus Politik und Wissenschaft Merkur.de von IPPEN.MEDIA erzählen. Zur neuen Bundesligasaison rührten Anbieter wie bwin oder tipico die Werbetrommel für den Saisonauftakt. Auf ihren Homepages und vor allem in den Medien. Fans werden geradezu dazu aufgerufen, auf den Ausgang der Spiele zu tippen. Der Verein „Unsere Kurve e.V.“ sieht „eine Grenze des Erträglichen überschritten“. In den Niederlanden, Belgien und Dänemark diskutiert die Politik derzeit über entsprechende Verbote.
Vorwurf: Werbung für das eigene Wettangebot
Das schaffte Authentizität – und ist mittlerweile verboten. Seit Inkrafttreten des aktuellen Glücksspielstaatsvertrags am 1. Juli 2021 dürfen aktive Sportler und Funktionäre nicht mehr für Wettanbieter werben. Die Werbeplattform Stadion wird im Glücksspielstaatsvertrag sogar ausdrücklich gestattet. In Sportstätten ist Werbung für Glücksspiele nur in Form der Dachmarkenwerbung auf Trikots und Banden sowie ähnlichen Werbemitteln erlaubt.
Lob für HSV-Torwart Adler
Aus Sicht des Sucht- und Drogenbeauftragen der Bundesregierung, Burkard Blienert (SPD), „ist Werbung für suchtgefährdende Angebote nie etwas Sinnvolles“. Denn Sportwetten-Werbung erreicht zwangsläufig auch suchtanfällige Menschen, wie Suchtexpertin Gabriele Koller von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der LMU München erzählt. Die Werbung erzeuge „natürlich einen gewissen Suchtdruck“. Im Zusammenhang mit Wettsüchtigen spricht Koller vom Auslösen eines „Cravings“. Der englische Begriff meint das starke Verlangen bei Suchtkranken, das durch gewisse äußere Faktoren (sogenannte Trigger) beeinflusst wird.
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